Rotbraune Anemonenfisch versteckt sich zwischen grünen und violetten Seeanemonen-Tentakeln

Abteilung Umwelt und Wissenschaft

Die Abteilung Umwelt & Wissenschaft fördert die Umweltbildung im Verband und seinen Mitgleidsvereinen. Sie schafft Angebote zu umwelt- und wissenschaftsorientierten Themen und Aktivitäten für Taucherinnen und Taucher in Schleswig-Holstein für ein erlebnisreiches, nachhaltiges Taucherlebnis mit Tiefgang.

Dazu zählen die Beratung von Ausbilder*innen und Vereinen in Naturschutz-, unterwasserarchäologischen und/oder wissenschaftlichen Belangen, die Durchführung von Spezialkursen zu Umwelt- und Wissenschaftsthemen, die Vertretung des Verbands bei umweltrelevanten Themen sowie die Teilnahme an umwelt- und unterwasserarchäologisch orientierten citizen science-Veranstaltungen.

Tauchen ist Natursport. Wer regelmäßig unter Wasser geht, sieht den Zustand der Gewässer mit eigenen Augen: wo in der Ostsee Seegras wächst und wo nicht, wie sich die Sichtweiten im Laufe der Jahre(szeiten) verändern, welche Tierarten häufiger oder seltener werden oder neu auftreten. Sporttaucher*innen sind (meist) keine Wissenschaftler*innen — aber sie sind die Menschen, die am nächsten dran sind and den Ökosystemen unter Wasser.

Der VDST TLV SH e.V. hat daraus eine Haltung entwickelt. Die Abteilung Wissenschaft & Umwelt ist mehr als eine Rubrik im Verbandsorganigramm. Sie ist der Grund, warum der VDST TLV SH e.V. in Gesprächen über die Zukunft der Ostsee an Tischen sitzt, an denen Sportverbände sonst selten eingeladen werden.

Spezialkurse: Wissen aus erster Hand

Die Abteilung Umwelt und Wissenschaft des VDST TLV SH e.V. bietet Spezialkurse für Sporttaucher*innen an, in denen der Tauchsport mit wissenschaftlichen Perspektiven verknüpft und dabei viel gelernt werden kann. Alle Kurse finden soweit möglich im jährlichen Turnus statt.

Spezialkurs Meeresbiologie (GDL Marine Biology)

Der Spezialkurs Meeresbiologie richtet sich an Geräte- und Apnoetaucher*innen gleichermaßen – der Kurs findet an wechselnden Orten und in Strandnähe statt, ist grundlegend auf den Lebensraum Ostsee ausgerichtet und behandelt dieses Meer von der Ozeanografie über die verschiedenen Lebensräume bis hin zu einzelnen heimischen Arten, ihre Verbreitung und Ökologie. Die während der Tauchgänge gesammelten Proben und fotografischen Dokumentationen werden untersucht und ausgewertet. Zweieinhalb Tage voller Theorie und Tauchen, Monitoring und Ostsee-Artenkenntnis. Wer diesen Kurs absolviert, schaut beim nächsten Tauchgang anders hin.

Spezialkurs Ozeanologie (GDL Marine Biology Basic)

Physikalische und chemische Grundlagen der Ostsee als Gewässer: Schichtung, Salzgehalt, Temperaturdynamik, Strömungen, Sprungschichten. Ozeanologie erklärt, warum die Ostsee ist wie sie ist — und warum Tauchen hier andere Kenntnisse erfordert als in tropischen Gewässern.

Spezialkurs Denkmalgerechtes Tauchen (GDL UW Cultural Heritage Discovery)

Einführung in Denkmalschutz und Archäologie im Süß- und Salzwasser. Teilnehmende erhalten ein Verständnis für die Bedeutung und die Empfindlichkeit von Unterwasserdenkmälern und lernen die wichtigsten Gruppen von Unterwasserdenkmälern kennen und erkennen. Der Kurs findet am Großensee statt.

Spezialkurs Unterwasserarchäologie 1 (GDL UW Archaeology Basic)

Die Ostsee ist ein historisches Archiv. Wracks aus Jahrhunderten, versunkene Häfen, mittelalterliche Handelswege — die schleswig-holsteinische Küste birgt Schichten der Geschichte. Der Spezialkurs Unterwasserarchäologie vermittelt, wie man Unterwasserfunde erkennt, dokumentiert und schützt — ohne sie zu beschädigen. Der viertägige Kurs findet seit 2025 am Schweriner See statt und beinhaltet auch eine Führung durchs Archäologische Landesamt MV.

Umweltgerechtes Tauchen – was das im Alltag bedeutet

Wer taucht, hinterlässt Spuren — oder eben nicht. Umweltgerechtes Tauchen ist kein leerer Begriff, sondern eine Haltung, die der VDST TLV SH e.V. in seiner Ausbildung verankert.

Konkret bedeutet das fürs Sporttauchen: kein gezieltes Füttern und keine Berührung von Lebewesen, kein Aufwirbeln von Sediment in sensiblen Bereichen, kein Einsteigen in Wracks oder Höhlen ohne entsprechende Ausbildung, kein Fischfang, keine Souvenirs aus dem Meer, Aufmerksamkeit für Geisternetze und Müll.

Und es bedeutet: Weitersagen. Wer etwas sieht — einen außergewöhnlichen Fund, Schäden an Seegraswiesen, Geisternetze, verendete Meerestiere — dokumentiert es nach Möglichkeit und gibt diese Information an den Verband oder an die zuständigen Stellen weiter.

Was ist die Ostsee — und warum braucht sie unseren Schutz?

Die Ostsee ist ein Binnenmeer. Kein offener Ozean, kein schneller Wasseraustausch. Was einmal hineingelangt — Nährstoffe aus der Landwirtschaft, Munitionsaltlasten aus zwei Weltkriegen, Plastik — bleibt lange.

Die Ostsee prägt die Landschaft und das Leben der Menschen in Schleswig-Holstein. Doch das kleine Binnenmeer ist in einem schlechten Zustand. (Landesportal Schleswig-Holstein)

Im Ergebnis zeigen die umfangreichen Bewertungen, dass das empfindliche Binnenmeer Ostsee aufgrund vielfältiger anthropogener Belastungen fast flächendeckend in keinem guten Zustand ist. (Umweltbundesamt)

Überdüngung und Verschmutzung, Sauerstoff-Verlust, Überfischung, Zerstörung von Lebensräumen und Landnutzung belasten die Ostsee weiterhin zunehmend. (GEOMAR)

Sporttaucher*innen wissen das. Nicht nur aus Berichten, Texten und Statistiken, sondern als gelebte Erfahrung beim Tauchgang. Und genau deshalb sind sie keine Zuschauenden beim Ostseeschutz — sie sind Mitgestaltende.

Citizen Science für Taucher*innen

Citizen Science ist in aller Munde und bezeichnet die Beteiligung nicht gezielt wissenschaftlich ausgebildeter Bürger*innen („Laien“) an wissenschaftlichen Forschungsprozessen. Diese Beteiligung kann vom reinen Datensammeln über das Auswerten bis hin zur Konzeption von Erhebungen und Experimenten gehen. Der Einstieg ist allerdings zumeist das Erheben und Sammeln von Daten. Auf der Plattform mit:forschen lassen sich zahlreiche Angebote für Jedermensch finden.

There are no passengers on spaceship Earth. We are all crew.
(Marshall McLuhan)

Durch den Zugang zur Unterwasserwelt ergibt sich ein vielversprechender Raum für citizen science-Projekte aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Die Abteilung Umwelt und Wissenschaft beteiligt sich bislang aktiv an folgenden Projekten:

City Nature Challenge

Bei der City Nature Challenge geht es darum, an einem Wochenende Ende April so viele verschiedene Arten von Lebewesen wie möglich zu fotografieren und über eine offene Online-Plattform zu teilen. Um die zehntausenden Teilnehmenden rund um den Globus zu unterstützen und für die seit 2021 erfolgreich an der CNC teilnehmende KielRegion weitere Arten beizutragen, werden am CNC-Wochenende verschiedene Spots an der Kieler Förde sowie am Plöner See betaucht und mit Kameras die Artenvielfalt unter Wasser aufgenommen. Der VDST TLV SH e.V. verleiht (nicht nur) zu diesen Anlässen zwei Unterwasserkameras an Sporttaucher*innen.
Auch außerhalb der CNC nutzen Taucher*innen die Plattform iNaturalist, zum Beispiel, um Beobachtungen der marinen Artenvielfalt rund um die Kieler bzw. rund um die Flensburger Förde zu sammeln. Bei der Bestimmung der Organismen beteiligen sich Ehrenamtliche rund um den Globus.

Fehmarn-Survey

Der unterwasserarchäologische Survey auf Fehmarn dokumentiert und kartiert seit 2025 im Spätsommer jeweils eine Woche lang die historischen Wracks auf dem Puttgarden-Riff. Inzwischen können hier rund ein Dutzend Fundplätze nachgewiesen werden. In Zukunft soll dieses Angebot um den Spezialkurs Unterwasserarchäologie 2 erweitert werden.

Kooperation mit dem GEOMAR

Der VDST TLV SH e.V. hat Anfang 2026 einen Kooperationsvertrag mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zur Zusammenarbeit bei der Renaturierung von Seegraswiesen geschlossen. Das ist bundesweit einzigartig für einen Sporttauchverband.

Warum Seegras?

In der deutschen Ostsee bedecken Seegraswiesen laut GEOMAR derzeit etwa 285km². Es gibt aber auch sehr viele unbewachsene Stellen, an denen teils früher Seegras vorkam und die wieder „aufgeforstet“ werden könnten. (GEOMAR)

„Seegraswiesen sind wie unterseeische Moore, sie speichern Kohlenstoff, der über Jahrhunderte im sauerstoffarmen Sediment konserviert wird.“
 (Thorsten Reusch, Professor für Marine Ökologie am GEOMAR)

Ein quadratmeter Seegras ist in der Lage, jährlich zwischen 26 und 52 Gramm Kohlenstoff zu binden und im Boden abzulagern, was dem 30-50fachen eines Quadratmeters Wald an Land entspricht. (GEOMAR) Seegras kann aber noch mehr: Seegraswiesen können auch die Konzentrationen potenziell gesundheitsschädlicher Bakterien im Meerwasser senken (GEOMAR) und stellen einen Lebensraum für zahlreiche Arten von Tieren dar.

Das Problem: Im zurückliegenden Jahrhundert hat die Erde mindestens 30 Prozent ihrer Seegraswiesen verloren. Gründe für das Sterben der Seegräser sind ein Übermaß an Nährstoffen, die zunehmende Nutzung der Küstengebiete sowie Hitzestress im Sommer. (GEOMAR)

Sporttaucher*innen als Unterwasser-Gärtner*innen

Das GEOMAR möchte Amateur-Taucherinnen und -Taucher in Deutschland einbeziehen, die Gesundheit der neu restaurierten Seegraswiesen zu überwachen und beim Anpflanzen von Seegras zu helfen – wie bei einem Unterwasser-Gemeinschaftsgarten.  2025 markiert den Übergang in die Fläche: Geschult werden Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen, die neun wissenschaftlich ausgewählte Flächen in der Ostsee betreuen, von Holnis bis Fehmarn, auf denen das Seegras entweder vollständig verschwunden oder nur noch in kleinen Resten vorhanden ist. GEOMAR

Über die Kooperation mit dem GEOMAR ist der VDST TLV SH e.V. Teil dieser Bewegung. Mitgliedsvereine können aktiv an der Seegrasrenaturierung mitwirken — konkret, messbar, wissenschaftlich begleitet.

Die AGIO – gegründet vom VDST TLV SH e.V.

Der VDST TLV SH e.V. ist Initiator der Arbeitsgemeinschaft Integrierter Ostseeschutz (AGIO) — eines Zusammenschlusses aller relevanten Umweltorganisationen in Schleswig-Holstein, der sich für einen nachhaltigen Schutz der Ostsee einsetzt. Der VDST TLV SH e.V. ist der einzige Sportverband in dieser Gemeinschaft, der Seite an Seite mit NABU, BUND, WWF und anderen Naturschutzorganisationen arbeitet.

In einem Land, in dem Naturschutz und Wassersport oft als gegensätzliche Interessen behandelt werden, hat der Verband bewusst eine andere Position eingenommen: Wer die Ostsee liebt, schützt sie — und gestaltet den Schutz konstruktiv mit.

Nationalpark Ostsee und APOS 2030

Halbinsel mit Wiesen und Waldstreifen, umgeben von Ostseewasser, kleine rote Gebäude an der Küste, Landweg durchs Grün

Als die Schleswig-Holsteinische Landesregierung die Errichtung eines Nationalparks Ostsee diskutierte, war der VDST TLV SH e.V. der einzige Sportverband, der der Idee nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberstand. Das hat Gewicht — und fördert die Glaubwürdigkeit.

Die Landesregierung Schleswig-Holstein beschloss den Aktionsplan Ostseeschutz 2030 (APOS 2030) als umfassendes Maßnahmenpaket zum Schutz der schleswig-holsteinischen Ostsee. Der VDST TLV SH e.V. begleitet diesen Aktionsplan kritisch-wohlwollend und vertritt die Interessen der Sporttaucher*innen nach intakten Ökosystemen, aber auch nach der legalen Zugänglichkeit von Tauchplätzen.
Konkret arbeitet der Verband an der Ausgestaltung der Naturschutzgebietsverordnungen für die drei neuen marinen Naturschutzgebiete (NSG) an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste mit. Die geplanten marinen Naturschutzgebiete umfassen die Ostseefläche Geltinger Bucht bis Schleimündung, die Ostseefläche südliche Hohwachter Bucht und die Ostseefläche westlich Fehmarn. Für Sporttaucher*innen bedeuten diese Gebiete künftig in bestimmten Korridoren und Hafenzufahrten mögliche saisonale Einschränkungen im Winter. Generelle Einschränkungen des Tauchsports sind in den entsprechenden Verordnungen sonst nicht vorgesehen, umweltverträgliches Tauchen ist auch in den neuen Naturschutzgebieten ausdrücklich erlaubt.

Der VDST TLV SH e.V. bringt die Interessen der Sporttaucher*innen in diese Prozesse ein — und sorgt gleichzeitig dafür, dass Schutzmaßnahmen praxistauglich gestaltet werden. Darüber hinaus wirkt der Verband an der Neufassung der Natura 2000-Managementpläne für die Ostsee mit — ein Prozess, der die Nutzung europäisch geschützter Meeresgebiete für Jahrzehnte prägen wird.

Formulare / Downloads

Ansprechpartner*innen

  • Rita Jansen (TL**, stellvertr. Abteilungsleitung)
  • Dirk Fleischer (TL*, Environmental Instructor, stellvertr. Abteilungsleitung)
  • Michael Baum (TL*, Environmental Instructor, Abteilungsleitung)
  • Elmar Klemm (Environmental Instructor, UW-Archäologie, Beauftragter kulturelles Erbe)