Strandbucht mit Steilküste, grüner Vegetation oben, Badegäste unten am Kieselstrand, Segelschiffe auf blauem Wasser

Ostsee-Reviere

Die Ostsee ist kein Warmwasserparadies. Und genau das macht sie aus. Wechselnde Sichtverhältnisse, kühle Temperaturen, markante Sprungschichten und ein Ökosystem, das so nirgendwo sonst in Deutschland zu finden ist – wer die Ostsee verstanden hat, taucht hier immer wieder.

Die schleswig-holsteinische Ostseeküste erstreckt sich von der Flensburger Förde im Norden bis zur Lübecker Bucht und der Insel Fehmarn im Osten. Dazwischen liegen einige der schönsten und abwechslungsreichsten Tauchreviere Norddeutschlands.

Bedingungen: Was dich erwartet

Wassertemperatur

Im Sommer erwärmt sich die Oberfläche auf 18–22 °C. Darunter – oft schon ab 10 Metern – bricht die Temperatur an einer deutlichen Sprungschicht (Thermokline) auf 5–10 °C ein. Im Winter liegen die Temperaturen durchgängig zwischen 2 und 6 °C. Ab einer Tiefe von 10 Metern und für das ganzjährige Tauchen empfehlen wir einen Trockenanzug.

Sichtweiten

Zwischen 5 und 20 Metern – je nach Revier, Jahreszeit und Wetterlage. Starkwind und Niederschlag können die Sicht kurzfristig deutlich einschränken, besonders in flachen Buchten. Fehmarn gilt unter Kennern als das Revier mit den stabilsten und besten Sichtverhältnissen an der schleswig-holsteinischen Küste.

Sprungschichten

Typisch für die westliche Ostsee: Salzgehaltssprünge und Thermoklinien, die zu plötzlichen Veränderungen von Sicht, Temperatur und Auftrieb führen. Grundkenntnisse im Umgang mit Sprungschichten sind Voraussetzung – in unserer Ausbildung ein fester Bestandteil.

Keine Gezeiten

Ein entscheidender Vorteil gegenüber der Nordsee: In der Ostsee gibt es keine nennenswerten Gezeiten. Tauchen ist nicht an Tidenfenster gebunden. Strömungen gibt es dennoch – beeinflusst durch Wind und den Wasserausgleich zwischen Nordsee und Ostsee.

Die Reviere im Überblick

Holzpier mit blauem Bootshaus an der Flensburger Förde, ruhiges Wasser mit Spiegelungen, Küstenlinie und Seevögel im Hintergrund

Flensburger Förde

Die lang gestreckte Förde bildet die natürliche Grenze zu Dänemark. Das Wasser ist im Vergleich zur offenen Ostsee salzärmer und oft trüber. Besonders interessant für Landschaftstauchen an Steilufern und als Revier mit Zugang zum Kleinen Belt.

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Buchförmige Meeresbucht mit grünen Küstenwiesen, mehreren Segelbooten und Hafenanlagen an den Ufern

Geltinger Bucht

Ruhige Bucht südlich von Flensburg, naturschutzrechtlich bedeutsam. Seegraswiesen und sanfte Unterwasserlandschaften prägen diesen Abschnitt. Die Geltinger Birk ist eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.

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Strandbucht mit Steilküste, grüner Vegetation oben, Badegäste unten am Kieselstrand, Segelschiffe auf blauem Wasser

Eckernförder Bucht

Eines der vielseitigsten Tauchreviere in ganz Schleswig-Holstein. Die Bucht bietet Wracktauchen (Betonschute), die Trümmer der nach Kriegsende gesprengten Torpedoversuchsanlage bei Surendorf, Muschelgründe und typische Ostsee-Flora. Eckernförde selbst hat eine gute Infrastruktur für Taucher.

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Luftaufnahme Kieler Bucht mit U-Boot-Museum am Strand, Segelbooten im Wasser und Besuchern am Ufer

Kieler Bucht

Die Kieler Bucht ist das Herz des schleswig-holsteinischen Tauchsports. Mit der Kieler Förde, dem Falckensteiner Strand, Stoller Grund und den zahlreichen Wracks in der Bucht bietet sie eine enorme Bandbreite. Hier findet auch der TLV-SH-Spezialkurs Meeresbiologie statt – die Tauchgänge am Falckensteiner Strand sind fester Bestandteil des Programms.

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Knorrige Baum mit grünem Laub ragt über steinigen Strand in blaues Ostseewasser, dahinter Küstenlandschaft

Lübecker Bucht

Die flache Bucht zwischen Travemünde und der Linie nach Fehmarn. Sandig, überwiegend flach, aber mit einzelnen interessanten Stellen. Für Einsteiger geeignet, bei guten Bedingungen transparentes Wasser.

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Halbinsel mit Wiesen und Waldstreifen, umgeben von Ostseewasser, kleine rote Gebäude an der Küste, Landweg durchs Grün

Fehmarn

Die Insel Fehmarn gilt als der Tauchspot an der schleswig-holsteinischen Küste schlechthin. Die Sichtverhältnisse sind hier in der Regel besser als in den Buchten weiter westlich. Das bekannteste Wrack: das „Docktor“, ein 100 Meter langer Stahlkoloss, der 2006 beim Transport sank und heute auf 5 bis 13 Metern Tiefe liegt. Weitere Wracks in der Region: Dreimaster, Schoner, versunkene Segeljachten, ein Vorpostenboot aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Lebewelt: Was dich unter Wasser erwartet

Die Unterwasserwelt der westlichen Ostsee überrascht viele, die sie das erste Mal erleben. Auf freiem Sandboden ist das Leben zwar verhalten – aber überall dort, wo Hartsubstrat vorhanden ist (Wracks, Findlinge, Molen, Betonreste), explodiert die Artenvielfalt förmlich.

Seenelken (Metridium senile) überziehen Wracks und Strukturen in dichten Kolonien. Seesterne, Meeresasseln, Strandkrabben, Klieschen, Dorsche, Plattfische, Aale, Heringe – die Artenvielfalt ist größer als ihr Ruf. Seegraswiesen sind Kinderstube für viele Fischarten und spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem. Wer die Ostsee mit dem Blick eines Meeresbiologiekursteilnehmers entdeckt, versteht, warum dieser Lebensraum schützenswert ist.

Der TLV SH e.V. arbeitet aktiv für den Schutz der Ostsee – u.a. in der Arbeitsgemeinschaft Integrierter Ostseeschutz (AGIO) und in Kooperation mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Ausrüstung & Hinweise

  • Trockenanzug: Empfohlen ab 10 Meter Tiefe und für das ganzjährige Tauchen
  • Tarierung: Auftriebsweste UND Trockenanzug-Tarierung müssen sicher beherrscht werden
  • Sprungschichten: Auf veränderten Auftrieb vorbereitet sein
  • Naturschutzgebiete: An der Ostseeküste SH entstehen aktuell neue Naturschutzgebiete. Informiere dich vor jedem Tauchgang über gültige Befahrensregelungen
  • Militärische Sperrbereiche: Einige Bereiche (z. B. rund um aktive Bundeswehranlagen) sind gesperrt – Markierungen und Betonnung zwingend beachten
  • Munition: Werden am Grund historische Munitionsreste gefunden: nicht anfassen, Fundort merken, zuständige Behörde informieren

Tauchgänge planen – unsere Empfehlung

Die aktuell umfangreichste gedruckte Sammlung von Tauchplätzen in der Ostsee stammt von Jörg Wilhelmi: Tauchplätze in der Ostsee. Ergänzend empfehlen wir den Austausch in deinem Verein – lokales Wissen ist durch kein Buch zu ersetzen.

Warum mit uns tauchen?

GDL-/CMAS-Brevet

Der VDST e.V. ist Mitglied der CMAS, und bildet nach CMAS-Regularien aus. Alle bei uns getätigten Brettes sind weltweit anerkannt.

Tauchen in Binnenseen

Erlebnisreiches Tauchen in vielen Schleswig-holsteinischen Binnenseen.

Gemeinschaft

27 Vereine und 2.400 Taucher*innen, gemeinsame Fahrten, Events und Unterwasserabenteuer.

Umwelt&Wissenschaft

Kooperationen mit GEOMAR, Natura 2000, AGIO – Tauchen mit gesellschaftlicher Relevanz.