Taucher mit Lampe erkundet rostiges Wrack auf Meeresgrund in grünlichem Wasser

Wracks

Jedes Wrack ist ein Rätsel. Ein Dreimaster, der vor über hundert Jahren sank. Eine Segeljacht, die 2009 mit Mast, Segeln und allen Bord-Utensilien in 18 Metern landete. Ein Stahlkoloss, der 2006 beim Transport durch einen Sturm verloren ging. Und dann die Trümmer einer Anlage, die im Zweiten Weltkrieg Torpedos testete und nach Kriegsende gesprengt wurde.

Die Ostsee vor Schleswig-Holstein hat ein Gedächtnis. Wracks aus mehreren Jahrhunderten liegen auf ihrem Grund – besser erhalten als in vielen anderen Meeren weltweit, weil die Ostsee ein Binnenmeer mit niedrigem Salzgehalt ist. Schiffsbohrwürmer, die in salzigerem Wasser Holz zerstören, kommen hier kaum vor. Was sank, bleibt.

Warum die Ostsee so viele Wracks hat

Die Ostsee war jahrhundertelang eine der meistbefahrenen Handelsrouten der Welt. Hanseaten, Holzhändler, Getreidefrachter, Kriegsschiffe – alles überquerte dieses Binnenmeer. Stürme, Untiefen, Kriegshandlungen und simple Navigation ohne GPS sorgten dafür, dass ein beträchtlicher Teil dieser Schiffe auf dem Grund landete.

Dazu kommen die Wracks aus den beiden Weltkriegen: Vor der Küste Schleswig-Holsteins und in der Kieler Bucht versanken Kriegsschiffe, Vorpostenboote, Hilfskriegsschiffe und Transportfahrzeuge. Manche wurden gezielt versenkt, andere gingen im Kampf verloren, wieder andere sanken bei Unfällen oder nach Kriegsende.

Das Ergebnis: Hunderte von Wracks allein vor der deutschen Ostseeküste – ein Reichtum, der zugleich Verpflichtung ist.

Bekannte Wracks vor Schleswig-Holstein

Die Betonschute – Eckernförder Bucht

Eines der bekanntesten und zugänglichsten Wracks in der Region. Das rund 40 Meter lange Wrack aus Beton liegt auf Position N 54° 29.225′ / E 10° 06.214′ und ist eines der wenigen, die direkt vom Strand aus erreichbar sind – über Schnorcheln zur Boje oder per Boot. Maximale Tiefe: etwa 8–10 Meter. Reichhaltiger Bewuchs mit Braunalgen und Seenelken, gut geeignet auch für Wracktauch-Einsteiger.

Zum Tauch-Revier

Der Dreimaster – Fehmarn

Ein hervorragend erhaltenes Segelschiff, das vermutlich vor über 100 Jahren sank. In maximal 26 Metern Tiefe erstreckt es sich über 45 Meter Länge. Ankerwinsch, Laderäume und Maststümpfe sind erkennbar, große Teile der Reling erhalten – alles dicht mit Seeanemonen überzogen. Nur per Boot erreichbar.

Zum Tauch-Revier

Das Docktor – Fehmarn

Ein 100 Meter langer Stahlkoloss, der 2006 beim Transport sank. Liegt auf 5 bis 13 Metern Tiefe – auch für weniger erfahrene Taucher geeignet. Algen und Seescheiden haben das Wrack bereits besiedelt.

Zum Tauch-Revier

La Belle – Fehmarn

Eine 2009 gesunkene Segeljacht in 18 Metern Tiefe. Neben dem abgebrochenen Mast liegt noch das vollständige Segel auf dem Grund – ein ungewöhnlicher und beeindruckender Anblick.

Zum Tauch-Revier

Torpedoversuchsanstalt Surendorf – Eckernförder Bucht

Die nach Kriegsende gesprengten Betontrümmer der ehemaligen Torpedoversuchsanlage bei Surendorf haben sich zu einem der artenreichsten Unterwasserbiotope in der Region entwickelt. Die Überreste ragen teils über die Wasseroberfläche. Unter Wasser bieten Nischen, Hohlräume und Betonwände einer Vielzahl von Lebewesen Schutz.

*Wichtig: Das Gelände grenzt an ein aktives militärisches Sperrgebiet (WTD 71). Die Markierungen und Betonnungen sind strikt einzuhalten.

Zum Tauch-Revier

Wracktauchen – was du wissen musst

Wracks sind Kulturgut

Historische Schiffswracks gelten in Deutschland als Teil des kulturellen Erbes. Das Entnehmen von Gegenständen aus Wracks ist verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Taucher und Unterwasser-Archäologen arbeiten zusammen – nicht gegeneinander. Der TLV SH e.V. bietet den VDST-Spezialkurs Unterwasser-Archäologie an (GDL UW Archaeology Basic).

Technische Anforderungen

Wracktauchen stellt besondere Anforderungen an Planung und Ausrüstung. Für Wracks mit Penetration (Eindringen in das Wrack) ist eine spezifische Ausbildung Pflicht. Auch ohne Penetration gilt: Im Wrack können Sicht- und Strömungsverhältnisse schlagartig wechseln, Sediment aufgewirbelt werden und Orientierungsprobleme entstehen.

Munition

In der Ostsee und ihren Küstengewässern befinden sich noch erhebliche Mengen an Kriegsmunition. Keine unbekannten Objekte berühren. Bei Funden: Fundort notieren, Behörden informieren.

Naturschutz

Wracks sind lebendige Biotope. Der Bewuchs aus Seenelken, Seescheiden und Algen ist empfindlich. Kein Ankern auf Wracks, keine unnötigen Sedimentaufwirbelungen, keine Entnahme von Tieren oder Pflanzen.

Wracktauchen lernen – Kurse beim TLV SH

Der VDST TLV SH e.V. und seine Mitgliedsvereine bieten Spezialkurse an, die dich auf das Tauchen an Wracks vorbereiten:

  • VDST Wracktauchen – Einführung in Sicherheitstechniken, Navigation und Planung
  • GDL UW Archaeology Basic – Spezialkurs Unterwasser-Archäologie, gemeinsam mit dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein und in Kooperation mit der CAU Kiel

Weiterführende Informationen

Die umfangreichste Sammlung aktueller Tauchplätze in der Ostsee: Jörg Wilhelmi: Tauchplätze in der Ostsee – empfohlene Standardlektüre für jeden, der die Region tauchend erkundet.

Warum mit uns tauchen?

GDL-/CMAS-Brevet

Der VDST e.V. ist Mitglied der CMAS, und bildet nach CMAS-Regularien aus. Alle bei uns getätigten Brettes sind weltweit anerkannt.

Tauchen in Binnenseen

Erlebnisreiches Tauchen in vielen Schleswig-holsteinischen Binnenseen.

Gemeinschaft

27 Vereine und 2.400 Taucher*innen, gemeinsame Fahrten, Events und Unterwasserabenteuer.

Umwelt&Wissenschaft

Kooperationen mit GEOMAR, Natura 2000, AGIO – Tauchen mit gesellschaftlicher Relevanz.